Mai-Vy

Talente erzählen ihre Geschichte

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Mai-Vy hatte schon früh einen starken Willen. Nach der Grundschule wollte sie unbedingt auf das Gymnasium. Ihre Eltern waren dagegen, da sie Sorge hatten, Mai-Vy könnte es nicht schaffen. „Ich wollte aber unbedingt, also habe ich mich durchgesetzt“, erzählt die 23-Jährige. Sie entschied sich für das Sophie-Scholl-Gymnasium in Oberhausen. Mai-Vy schaffte es auf dem Gymnasium, schrieb gute Noten, wurde aber auch dafür gehänselt. „Da stand ich drüber“, berichtet sie. Nur ihre Mathenote in der elften Klasse litt darunter. „In meinem Kurs waren nur Schüler, die nicht nett zu mir waren. In der zwölften Klasse wechselte ich dann den Kurs und schrieb wieder bessere Noten.“ Mittlerweile studiert Mai-Vy im fünften Semester Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Medien-, Freizeit- und Kulturwirtschaft an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Sie hat seit dem ersten Semester ein Deutschlandstipendium und schreibt sehr gute Noten, auch in Mathe. Und das, obwohl viele Kurse, die sie während des Studiums belegen muss, überhaupt nicht ihr Fall sind. „Ich musste mich richtig durchs Grundstudium durchbeißen. Ich hatte mein Ziel vor Augen und wusste, dass ich dafür das Grundstudium packen muss. Das hat mich motiviert.“ Fächer wie Rechnungswesen fielen ihr schwer, aber sie bestand alle Klausuren. „Ich lerne gern, muss aber immer verstehen, wofür ich das Gelernte gebrauchen kann. Außerdem brauche ich lange, bis das Gelernte richtig sitzt. Also wiederhole ich alles immer wieder.“

„Ich musste mich richtig durchs Grundstudium durchbeißen. Ich hatte mein Ziel vor Augen und wusste, dass ich dafür das Grundstudium packen muss. Das hat mich motiviert.“

Mai-Vys Eltern stammen aus Vietnam. Sie sind beide im Teenageralter, während des Vietnamkrieges, über das Friedensdorf nach Deutschland gekommen. Ihr Vater ist Schlosser, ihre Mutter Frührentnerin. Als Mai-Vy in die vierte Klasse kam, meldeten ihre Eltern sie in der Musikschule an, Mai-Vy sollte Klavierspielen lernen. „Ich hatte aber Probleme mit dem Klavierlehrer und hörte nach vier Jahren wieder auf zu spielen.“ Sie entdeckte das Schlagzeug für sich. „Meine Eltern waren erst total dagegen. Sie sagten ‚Mädchen spielen nicht Schlagzeug‘ und dass ich sicher bald wieder damit aufhören würde – ich spiele es noch immer.“ In der elften Klasse begann Mai-Vy auch wieder Klavier zu spielen. Sie engagierte sich in dem Oberhausener Musikprojekt „LirICH und DU“, welches Kinder aus weniger privilegierteren Familien fördert. Nach dem Abitur 2012 wollte sie sogar Musik auf Lehramt studieren. Für dieses Studium musste sie eine theoretische und eine praktische Prüfung bestehen. Doch sie ließ die Musiktheorie schleifen. „Ich versemmelte die Musiktheorieprüfung so sehr, dass man mich gar nicht erst zum Vorspielen zuließ.“

Mai-Vy musste lernen, dass man auch mal Scheitern kann. „Im Nachhinein ist es gut, dass es so gelaufen ist. Ich hatte Zeit, herauszufinden, was ich nicht machen will, und konnte meine Stärken und Schwächen kennenlernen“. Mai-Vy hätte die Musikprüfung ein Jahr später wiederholen können. Sie entschied sich aber dafür, Praktika zu machen und herauszufinden, was sie studieren möchte. Unterstützt wurde sie dabei vor allem von dem Leiter der städtischen Musikschule Oberhausen. Er bemerkte ihr Organisationstalent und riet ihr, sich Studiengänge anzusehen, die Veranstaltungsmanagement beinhalten. Sie schaute sich verschiedene Studiengänge an, informierte sich über BAföG und Stipendien, glaubte aber, dass ihre Abi-Note nicht gut genug für ein Stipendium sei.

Mai-Vy entschied sich dafür, an der Westfälischen Hochschule Wirtschaft zu studieren und lernte bei der Einschreibung das Team von Meine Talentförderung kennen, welches sie bei ihrer Bewerbung für ein Stipendium unterstützte. An der Hochschule ist Mai-Vy angekommen. „Ich hatte anfangs Sorge, dass eine Fachhochschule schlechter als eine Universität sein könnte. Aber dem ist nicht so. Ich fühle mich hier sehr wohl.“ So wohl, dass sie nicht nur ihren Master an der WH machen möchte, sondern auch über eine Promotion nachdenkt. „Ich mag das Ruhrgebiet. Oberhausen erscheint mir richtig dörflich. Großstädte wie Berlin wären nichts für mich.“