Philip

Talente erzählen ihre Geschichte

Erfahre mehr über Philip

Philips Weg zur Talentförderung war ein besonderer. Er ist nicht wie die meisten über die Schule oder die Hochschule dazu gestoßen, sondern wurde von einem Betreuer im Autismus-Zentrum vorgeschlagen. Sein Talentscout merkte schnell, dass in dem ruhigen Jungen viel Potenzial steckt. Er selbst wollte es zunächst nicht glauben: „Mein Abiturdurschnitt ist nicht besonders gut und meine Eltern meinten immer, ich soll eine Ausbildung machen. Auch damit ich anfange, Geld zu verdienen. Aber ich wusste einfach nicht, was für eine Ausbildung ich machen sollte. Ich habe mich dann im kaufmännischen Bereich beworben, aber nur Absagen bekommen.“

Philip besuchte das Don-Bosco-Gymnasium in seiner Heimatstadt Essen. Sein Vater ist selbstständiger Gärtner, seine Mutter Justizfachangestellte. Er hat drei jüngere Geschwister, von denen zwei eine Ausbildung machen und einer noch zur Schule geht. Nach dem Abitur war er zunächst völlig planlos, musste seine Stärken noch entdecken. „Dabei hat mir unter anderem mein Talentscout geholfen.“ Um die Zeit bis zum nächsten Schritt zu überbrücken, besuchte er das Talentkolleg Ruhr in Herne und machte dort einen Englischkurs. Außerdem ging er jobben und besuchte Vorlesungen und Seminare an verschiedenen Hochschulen, um Orientierung zu bekommen. „Mein Talentscout hat mir das organisiert. Ich konnte dort einen Tag mit Studierenden Vorlesungen besuchen und ihnen Fragen stellen. Mein Talentscout meinte, dass ein Studium zu mir passt, ich war mir erst unsicher, aber durch die Gespräche fühlte ich mich immer selbstbewusster und habe auch richtig Lust auf ein Studium bekommen.“

Durch die Gespräche fühlte ich mich immer selbstbewusster und habe auch richtig Lust auf ein Studium bekommen.

Sozialwissenschaften und Psychologie interessierten ihn besonders und er bewarb sich für die Fächer  an Hochschulen in ganz NRW. Da er nach Ende der Einschreibungsphase immer noch auf der Warteliste stand, bewarb er sich für ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) an der Uniklinik in Essen, das er auch bekam. „Besonders habe ich mich auf die interessanten Seminare gefreut, die man im Rahmen des FSJ besuchen kann.“  Doch soweit sollte es gar nicht kommen. Nach zwei Wochen im FSJ kam die positive Rückmeldung der Ruhr-Universität Bochum: Er konnte als Nachrücker mit dem Studium der Sozialwissenschaften starten. Nun ist er mitten im ersten Semester und muss sich noch in das Unileben einfinden. „Bald kommen die ersten Klausuren, dafür lerne ich schon. Dann muss ich noch aufs Bafög warten, damit ich etwas sorgenfreier studieren kann.“ Philip wohnt alleine in Essen und benötigt die Unterstützung, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Sein Talentscout wird ihn auch weiterhin begleiten.

Was nach der Uni kommen soll? „Das schaue ich, wenn es soweit ist. Schon aus Protest, weil es eine gesellschaftliche Norm ist, es von einem erwartet wird, dass man das jetzt schon weiß. Da mache ich nicht mit“, sagt er und grinst.