Collin

Die Talente erzählen ihre Geschichte.

Eigene Stärken stehen im Mittelpunkt

„Wichtig für mich ist, dass ich mich politisch einbringe und interessiere. Ich bin Arbeiterkind, ich bin Gewerkschafter und da ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich engagiere.“ Collin ist 19 Jahre alt und bereits seit vier Jahren Mitglied der Jugendorganisation einer Partei. Dass er sich für ein Stipendium bewerben konnte, hatte er schon mal gehört. Doch welches Stipendium für ihn das Richtige ist und wie eine Bewerbung funktioniert, fand er erst mit Unterstützung seines NRW-Talentscouts heraus. Letztes Jahr wurde er als Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung aufgenommen. Nun will er sein Netzwerk erweitern und wünscht sich, an einer Sprachreise nach Frankreich teilzunehmen.

Collin weiß mittlerweile genau, wohin er will, denn er hat den richtigen Studiengang für sich gefunden. Seit dem Wintersemester 2018/19 studiert er an der Ruhr-Universität Bochum Erziehungswissenschaft und Kultur, Individuum und Gesellschaft. Schon in der Schule machte ihm besonders das Fach Pädagogik Spaß. Wie er diese Begeisterung zum Beruf machen soll, wusste er lange nicht genau. Das änderte sich, als er Talentscout Barbara Bernhard von der TU Dortmund traf. „Eine Lehrerin an meiner Schule war sehr engagiert und holte das Programm NRW-Talentscouting an meine Schule“, erzählt Collin, „Ich hatte eine Freistunde und bin hingegangen.“ Mit der Unterstützung von Barbara konkretisierten sich seine Zukunftspläne. „Sie hat immer meine Stärken gesehen“, erinnert er sich, „und auch als ich mich schon über Studiengänge informiert hatte, blieben immer noch Fragen über das Studium und die Finanzierung offen.“ Talentscout Barbara begleitet ihn seither mit Rat und Tat. Auch seine Eltern unterstützen Collin in seinen Entscheidungen. Doch in Sachen Studium, Hochschulzugang, BAföG oder Talentförderung haben sie keine Erfahrungen. Seine Mutter arbeitet als Diplom-Sozialarbeiterin, sein Vater ist gelernter Schlosser.

Verantwortung im Ehrenamt übernehmen

„Ein Jahr, in dem ich mich nicht engagiere, hätte es für mich niemals gegeben“, erklärt Collin sein langjähriges ehrenamtliches Engagement. Schon während der Schule interessierte er sich für soziale Ungleichheit und wollte etwas gegen Missstände unternehmen. Er trat zunächst in die Schülervertretung an der Gesamtschule Europaschule Dortmund ein. Kurz darauf kam über eine Freundin der Kontakt zur Bezirksschülervertretung zustande. „Ich habe mich einfach mal aufstellen lassen und wurde dann überraschend gewählt“, schildert Collin seine damalige Situation. „Durch die Arbeit habe ich viele Leute kennengelernt, das hat mich motiviert, mehr Arbeit zu übernehmen.“ Wenig später wagte er den nächsten Schritt und repräsentierte in der landesweiten Schülervertretung die Interessen von drei Millionen Schüler*innen in Nordrhein-Westfalen. Er organisierte Kampagnen und mobilisierte Schüler*innen, sich für mehr Geld in der Bildung stark zu machen. „Sachen für die Schule nacharbeiten und sich zusammenreißen, um den Anschluss nicht zu verpassen, gehörten dazu. Aber ich habe es geschafft, wie man sieht“, erzählt Collin stolz und lächelt. Um neben der Schule Geld zu verdienen, arbeitete er beim Deutschen Gewerkschaftsbund als Honorarkraft.

Netzwerk durch das Stipendium ausbauen

Collin wusste generell, dass es für Studierende die Möglichkeit gibt, ein Stipendium zu bekommen, war jedoch unsicher, ob er dafür in Frage kommt. Da er bereits Mitglied einer Gewerkschaft war, konnte er sich über das gewerkschaftliche Verfahren bei der Hans-Böckler-Stiftung bewerben. Talentscout Barbara bestärkt, berät und informiert ihn über das Auswahlverfahren des Begabtenförderungswerkes. Mit der Zusage des Stipendiums kann er entspannter ins Studium starten. „Es wäre finanziell echt düster ohne das Stipendium und ich bin froh, dass ich es habe“, berichtet Collin, „Außerdem ist es toll, dass ich ein neues Netzwerk habe. Ich hoffe, dass ich dadurch einen guten Zugang zu Praktika bekomme und neue Leute kennenlernen kann.“ Sparen möchte Collin aktuell auf eine Sprachreise, da er gerne Französisch lernen möchte. „Ich wäre gerne mal wieder in den Urlaub gefahren, aber dafür war das Geld leider nicht da“, erzählt er.