Jacob

Talente erzählen ihre Geschichte

„Das war der Jackpot!“

Der Start in Deutschland, in einem neuen Bildungssystem, war für Jacob mit Unsicherheiten verbunden. Wie wird die neue Schule sein? Werden ihn seine Mitschüler*innen akzeptieren? Wie funktioniert es mit der neuen Sprache? Jacob und seine Schwester zogen 2012 von Nigeria nach Deutschland zu ihrem Vater. Der damals 15-Jährige kam in die Internationale Förderklasse einer Hauptschule in Gelsenkirchen. Alles war neu und ungewohnt für ihn. In der Schule lief es gut. „Ich war offen für Neues und habe alles auf mich zukommen lassen“, erzählt Jacob, „ich war sehr erleichtert, dass alle nett waren und wenn einmal nicht, dann habe ich es mit Humor genommen.“ Seinen Lehrer*innen war schnell klar, dass Jacob motiviert ist und den Realschulabschluss schaffen kann, sodass er nach einem Jahr auf die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen wechselte.

Mit viel Engagement zum nächsten Ziel

Schon nach einem Jahr wurde er dort zum Schülersprecher gewählt. Die deutsche Sprache fiel Jacob, der leidenschaftlich gerne Sport treibt, noch etwas schwer. Durch seine offene, diplomatische Art und sein Interesse, sich für andere einzusetzen, konnte er aber überzeugen. Jacobs Leistungen in der Schule lagen im guten Bereich. Um seine Sprachkompetenz zu verbessern, empfahl ihm eine Lehrerin ein Angebot für Neuzugewanderte des TalentKollegs Ruhr, das in den Sommerferien an der Westfälischen Hochschule stattfand. Jacob ging hin und es gefiel ihm so gut, dass er auch an weiteren bedarfsorientierten Qualifizierungskursen am TalentKolleg Ruhr in Herne teilnahm. Dort lernte ihn auch sein NRW-Talentscout kennen. Mit seinem Talentscout konnte Jacob über seine Wünsche und Ziele sprechen und sich auch über ganz praktische Dinge austauschen. Wie funktioniert das Schulsystem in Deutschland, was für Optionen gibt es und welcher Ausbildungsweg entspricht seinen Interessen und Fähigkeiten? Jacob, mittlerweile Stipendiat der START-Stiftung, ist vielseitig interessiert. Besonders spannend findet er die Naturwissenschaften. Nachdem er seinen Realschulabschluss gemacht hatte, wechselte er auf das Ricarda-Huch-Gymnasium Gelsenkirchen, das einen MINT-Schwerpunkt hat. Sein Talentscout informierte ihn über die Möglichkeiten eines Schulwechsels. Auch am Gymnasium hat sich Jacob engagiert. Er wurde Stufensprecher und war Schülervertreter der Auswahlkommission für neue Lehrer*innen. „Jacob ist sehr ambitioniert. Es ist beeindruckend, wie diszipliniert er auf seine Ziele hinarbeitet und sich im Alltag organisiert. Seine Noten lagen im guten Bereich und er hat sich schon nach kurzer Zeit in Deutschland ehrenamtlich engagiert“, sagt Hilke Birnstiel, zertifizierter NRW-Talentscout und stellvertretende Leiterin des TalentKollegs Ruhr in Herne, „ich war mir bei Jacob von Anfang an sicher, dass er auch nach seinem Schulabschluss ein Kandidat für ein Stipendium sein wird.“

Ein Schreck im Abitur und dann: große Freude

Zuhause war es schwierig für Jacob und seine Schwester. Sie mussten ausziehen, ohne Unterstützung der Familie auskommen und einen eigenen Haushalt führen. Ein zusätzlicher Ansporn für Jacob, an seiner Zukunft zu arbeiten. Das NRW-Talentscouting blieb an seiner Seite. „Mir war klar, dass ich studieren will“, erzählt er, „im Talentscouting konnte ich meine Möglichkeiten besprechen. Mein Talentscout hat mich auch dazu ermutigt, mich für ein Stipendium zu bewerben. Ich war überrascht, dass es so viele Stipendiengeber gibt. In Nigeria bekommen nur die allerbesten ein Stipendium direkt von der Schule oder Hochschule. Ich habe mich dann bei zwei Stiftungen beworben.“ Jacob hatte von seinem Talentscout viele Tipps bekommen und sich daraufhin gut informiert. Neben dem Empfehlungsschreiben vom Talentscout hatte er noch weitere von Lehrer*innen seiner aktuellen und vorherigen Schule angefragt – und auch bekommen. Die Bewerbung war für ihn aufwändig und er war nicht ganz sicher, ob sein Notendurchschnitt von 2,4 im Zeugnis vor dem Abitur ausreicht. Aber mit Zuspruch seines Talentscouts bewarb er sich. „Dann kamen die Abiturprüfungen. Ich war leider sehr aufgeregt und sie liefen nicht so gut, mein Schnitt fiel auf 3,1. Ich dachte, das war’s mit dem Stipendium. Dann kamen zwei Zusagen, ich habe mich so gefreut. Ich konnte mir das Stipendium aussuchen, was am besten zu mir passt. Das war der Jackpot! Ich habe mich für die Rosa-Luxemburg-Stiftung entschieden“, erzählt Jacob strahlend. Ohne die finanzielle Unterstützung durch das Stipendium wäre es für Jacob sehr schwierig gewesen, ein Studium in Angriff zu nehmen. Da er auf sich allein gestellt ist, müsste er viel nebenbei arbeiten, erzählt er. „Aber mindestens genauso wichtig sind mir die Seminare der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie geben mir die Möglichkeit, mich mit den unterschiedlichsten Themen auseinanderzusetzen und mich mit anderen darüber auszutauschen. Ich bin nicht nur im Sport ein Teamplayer. Andere Sichtweisen interessieren mich, sie bringen mich weiter.“ Jacob studiert im ersten Semester Elektrotechnik an der TU Dortmund und möchte sich nach seinem Bachelor auf Energietechnik spezialisieren.