Jonas

Talente erzählen ihre Geschichte

"Unterschätze dich nicht selbst!"

Dass er sein Abitur 2017 mit 1,7 abgeschlossen hat, war für Jonas und seine Lehrer*innen am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Unna nicht selbstverständlich. Die Schulzeit war für den 19-Jährigen nicht immer einfach. Jonas hat Legasthenie. Seine Mitschüler*innen haben ihn ausgegrenzt und sich über ihn lustig gemacht. „In meiner Schulzeit habe ich viel Ungerechtigkeit erlebt”, berichtet er. „Anfangs war ich deswegen oft wütend und verschlossen. Mittlerweile habe ich verstanden, dass ich mit einer offenen Art und Menschenliebe viel weiter komme“.

Diese offene Art und seine Menschenliebe haben Jonas schließlich zum Ehrenamt gebracht. Während seiner Schulzeit engagierte er sich in einer Jugendpartei, in der er auch eineinhalb Jahre lang Sprecher war. Nach seinem Abitur machte Jonas ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Deutschen Gewerkschaftsbund in Dortmund. Dort arbeitete er in der Rechtsextremismusprävention mit Schüler*innen und hielt Vorträge an Schulen. Durch seine verschiedenen Ehrenämter hat Jonas viele Freunde dazugewonnen und sich mit der Zeit ein Netzwerk aufgebaut. „Ohne das Ehrenamt stände ich bestimmt nicht da, wo ich heute bin“, meint er. Mit seinen Kommiliton*innen spricht Jonas jedoch nicht viel über sein Ehrenamt. „Die meisten wissen, glaube ich, gar nicht, was ich in meiner Freizeit so treibe“, lacht er. Jonas will nicht prahlen. Er engagiert sich, um der Gesellschaft etwas Gutes zu tun – nicht, um Anerkennung zu bekommen.

Studium als Kindheitstraum

Jonas studiert im ersten Semester Naturschutzbiologie und Politikwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau. Auf die Idee, im Zweifachbachelor zu studieren, hat ihn NRW-Talentscout Barbara Bernhard von der TU Dortmund gebracht. Jonas wollte ursprünglich Politikwissenschaften studieren. Barbara hat ihn dazu ermutigt, ein weiteres Fach hinzuzunehmen. „Mein größter Kindheitstraum war es, zu studieren. Barbara hat mir den Mut gegeben, das aus meinem Leben zu machen, was ich möchte“, erzählt Jonas. Als Jonas in der zehnten Klasse war, hat Barbara an seiner Schule einen Vortrag über das Talentscouting gehalten. Da Jonas nicht aus einer Akademikerfamilie kommt, fühlte er sich sofort angesprochen und hat mit Barbara direkt nach dem Vortrag ein Gespräch geführt. Von da an hat er sich regelmäßig mit seinem Talentscout getroffen. „Mit Barbara habe ich über meine Lebensplanung gesprochen“, erzählt Jonas. „Vor allem bei der Bewerbung für das Stipendium hat sie mich viel unterstützt. Durch meinen Talentscout habe ich gelernt, mir Berge in Kieselsteine aufzuteilen.“

In der Heinrich-Böll-Stiftung gut aufgehoben

Seit Oktober ist Jonas Stipendiat bei der Heinrich-Böll-Stiftung. „Ich habe mein Abi nicht mit 1,0 abgeschlossen. Trotzdem habe ich es geschafft“, erzählt er zufrieden. Für Jonas wäre es aus finanziellen Gründen ohne das Stipendium nicht möglich gewesen, von Zuhause auszuziehen und in Landau zu studieren. „In der Nähe von Unna gibt es einfach kein Studium, was mich so richtig angesprochen hat“, sagt er, „das hat mir zuerst die Motivation genommen.“ Barbara unterstützte Jonas bei der Orientierung und ermutigte ihn, etwas größer zu denken. Wenn Jonas über die Heinrich-Böll-Stiftung spricht, fängt er an, zu schwärmen. „Ich finde das Programm absolut großartig. Die Veranstaltungen bieten einem viel mehr, als es alles Geld der Welt tun würde.“ Jonas würde gerne an mehr Workshops, Seminaren und Vorträgen der Stiftung teilnehmen, als er es bisher geschafft hat. „Zeitlich ist es nicht so einfach, neben dem Studium und dem Ehrenamt noch mehr von dem Angebot wahrzunehmen“, sagt er. Trotzdem hat er sich vorgenommen, 2019 bei so vielen Veranstaltungen dabei zu sein, wie es geht. Interessant findet Jonas vor allem das Vernetzungstreffen der Internationalen Zusammenarbeit zur Entwicklungshilfe.

Für seine Zukunft kann sich Jonas vorstellen, in der Schnittstelle Umwelt und Politik zu arbeiten. Am liebsten wäre er nach dem Studium parlamentarischer Mitarbeiter. Ihm ist jedoch bewusst, dass dies ein langer Weg ist. „Die Hauptsache für mich ist, dass ich einen Beruf ausübe, der sinnvoll ist und der etwas Positives zur Gesellschaft beiträgt“, überlegt er. Eine Sache möchte Jonas allen mit auf den Weg geben, die sich selbst nicht zutrauen, sich um ein Stipendium zu bewerben. „Unterschätze dich nicht selbst“, sagt er „da ist viel mehr Potenzial in dir, als du denkst.“