Jussra

Talente erzählen ihre Geschichte

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Jussra ist immer sehr gern zur Schule gegangen. Das zeigte sich auch an ihren Noten. Die Zeugnisse der fleißigen Schülerin zierten hauptsächlich Einsen und Zweien. Doch im Alter von 13 Jahren änderte ein Schicksalsschlag alles in Jussras Leben. Ihre Mutter verstarb. „Ich glaube jeder kann sich vorstellen, wie hart das ist. Ich hatte Glück, denn meine Lehrer hatten sehr viel Verständnis.“ Und so bekam Jussra nach gut einem Jahr auch in der Schule wieder die Kurve.

Die Deutsche mit libanesischen und marokkanischen Wurzeln besuchte das Heisenberg Gymnasium in ihrer Heimatstadt Gladbeck. Schon neben der Schule engagierte sich Jussra ehrenamtlich in ihrer Moscheegemeinde. Bis heute fördert sie den Dialog zwischen jugendlichen Muslimen und Nicht-Muslimen. Seit dem Tod ihrer Mutter lebt sie mit ihrem Vater, einem Bauzeichner, und drei Geschwistern zusammen und muss regelmäßig im Haushalt helfen. Trotz dieser zusätzlichen Aufgaben sind ihre Leistungen in der Schule konstant gut. Ihre Lehrer erkannten das Potenzial der starken Schülerin und schickten sie zum Talentscout an der Schule. Talentscout Seren Başoğul lernte sie in der Oberstufe kennen. „Ich habe mich so gefreut. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt und ich dann auch noch als Talent ausgewählt werde. Das war ein tolles Gefühl“, so Jussra.

„Mir war einfach nicht bewusst, welche Stärken ich habe.“

Die Schülerin war stur, wie sie selbst sagt, und wollte unbedingt Medizin studieren. „Das Fach kennt man halt und ich hatte auch schon ein Praktikum in dem Bereich gemacht.“ Ihr Talentscout riet ihr zu einem Plan B. „Das war meine Rettung. Denn sonst wäre ich in ein Loch gefallen. Ich habe meine  Abiturklausur in Pädagogik versemmelt und mit meinem Schnitt hätte ich lange auf einem Platz für Medizin warten können. Mir war einfach nicht bewusst, welche Studienfächer es überhaupt noch gibt und welche Stärken ich habe.“ Ihr Talentscout organsierte ihr Möglichkeiten, um in verschiedene Studiengänge reinzuschnuppern. Am liebsten wollte Jussra dann Management & Economics an der Ruhr-Universität Bochum studieren und sie wurde auch angenommen. Doch das Glück hielt nicht lang an. „Ich habe die Einschreibung verpasst, weil ich im Urlaub war. Ich habe mich sehr über mich selbst geärgert und mich auch geschämt. Und wie immer, wenn ich nicht weiter weiß, habe ich Seren kontaktiert.“

Bei einem Treffen im NRW-Zentrum für Talentförderung in Gelsenkirchen sind Jussra und ihr Talentscout alle Optionen für sie durchgegangen und danach konnte sie „mit einem guten Gewissen nach Hause.“ Ein Tipp ihres Talentscouts war, sich einfach nochmal zu bewerben und so, eventuell über das Nachrückverfahren den Studienplatz zu ergattern. Das versuchte Jussra dann auch. Mit Erfolg, „zwei Tage später kam die Nachricht, dass ich angenommen wurde. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Alleine wäre ich niemals auf die Idee gekommen. Genau das ist es, was ich am Talentscouting so schätze. Da ist immer jemand, der an mich glaubt. Natürlich hat meine Familie auch versucht, mich zu trösten. Aber nur damit ich aufhöre zu weinen“, sagt die aufgeweckte Studentin und lacht.

Nachdem die Hürde ins Studium dann überwunden war, schlug ihr Talentscout vor, sich für ein Stipendium zu bewerben. „Und ich dachte schon wieder. Was? Ich? Ein Stipendium? Aber ich vertraue Seren und habe es mit ihrer Unterstützung versucht.“ Heute ist Jussra Stipendiatin beim Studienwerk Avicenna. „Das ist so gut für mich, da ich mir jetzt viel weniger Sorgen über die Finanzierung meines Studiums machen muss. Ich bin einfach glücklich und dankbar. Und was ich noch toll finde: Da die Talentscouts auch an meiner Uni in Bochum sind, kann ich jetzt einfach auch dorthin gehen, wenn ich Beratung brauche. Aber auch mit Seren stehe ich nach wie vor über WhatsApp oder Email in Kontakt.“