Valentina

Talente erzählen ihre Geschichte

Erfahre mehr über Valentina

Schule war für Valentina lange Zeit der einzige „Anker“ in ihrem Leben. Die aufgeweckte, junge Frau ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen und viel umgezogen - innerhalb Deutschlands und für zwei Jahre nach Italien. Im Alter von neun Jahren kam sie dann allein wieder zurück nach Deutschland und wohnte erstmals bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater. Zu ihrem leiblichen Vater hatte sie nie Kontakt. „Bei meiner Mutter war es nicht einfach. Auf Schule wurde nicht viel wert gelegt. Ich musste viel im Haushalt machen und mich um meine kleinen Brüder kümmern. Meine Mutter hat mich oft nicht gut behandelt“, sagt das starke Mädchen und lächelt, als wäre es in Ordnung. „Das hat mich stark und selbstständig gemacht.“

Das hat mich stark und selbstständig gemacht.

Der Wechsel von der Grundschule auf die Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen war für Valentina dann wie ein Segen. Sie erinnert sich noch gut: „Ganztagsschule, das war super, weil ich weniger Zeit zu Hause verbringen musste.“ Mit 13 ist sie dann von sich aus zum Jugendamt gegangen und ins Kinderheim gezogen. „Zuhause ging es einfach nicht mehr.“ Seit sie 18 ist, wohnt sie alleine in ihrer eigenen Wohnung. Mit ihrer Heimgruppe und ihrer Betreuerin hat sie bis heute Kontakt und trifft sich regelmäßig. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Am Anfang war es schwer. Aber ich habe hier endlich erfahren, was Familie bedeutet.“ Mit ihrer Oma und ihrer Tante, die in Italien leben, telefoniert Valentina regelmäßig und hat sie diesen Sommer mit ihrem Freund besucht. Den Kontakt zu ihrer Mutter hat sie abgebrochen.

Valentina schmeißt ihren Haushalt alleine, ist ehrenamtlich in der Kinderbetreuung bei den Falken tätig und schreibt dazu kontinuierlich gute Noten. Ein Nebenjob war dann irgendwann zu viel. „Ich hab gekellnert. Meine Noten haben sich etwas verschlechtert und das hat mich sehr unter Druck gesetzt. Ich hatte einen Burnout.“ Bis heute ist die Schülerin in therapeutischer Behandlung. Ans Aufgeben dachte sie nie. „Schule und Bildung sind mir sehr wichtig. Es ist toll, dass wir neben den Lehrern auch noch einen Talentscout an unserer Schule haben, das hat mir sehr weitergeholfen. Es tut gut, wenn dir jemand sagt, du kannst das schaffen und dir sämtliche Wege aufzeigt.“

Valentina war in Begleitung einer Studentin, die schon lange in der Talentförderung ist (Merve), im Studiengang Medizin an der Universität Duisburg-Essen einen Tag lang schnuppern. Dabei hat sie erkannt, dass Medizin doch nichts für sie ist und konzentriert sich nun auf ein baldiges Lehramtsstudium im Bereich Sozialpädagogik. Um ihr den Druck ein wenig zu nehmen, hat ihr Talentscout ihr empfohlen, zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. „Das ist so super und von selbst wäre ich nie darauf gekommen.“ Nach dem Abitur macht sie das FSJ nun an einem Gymnasium in Gelsenkirchen. „Ich weiß noch nicht, wie ich mich dann finanziere. Das Geld vom FSJ wird nicht reichen und vom Jugendamt werde ich dann auch nicht mehr unterstützt.“ Auch dabei wird ihr Talentscout ihr beratend zur Seite stehen.