Wessam

Talente erzählen ihre Geschichte

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Wessam kam vor circa zwei Jahren nach Deutschland. Er musste aus seiner Heimat Rankus in der Nähe von Damaskus in Syrien fliehen. Seine Eltern und Geschwister musste er schweren Herzens im Kriegsgebiet zurücklassen. Bei der Flucht war er 18 Jahre alt. „Ich bin froh, hier sein zu können. Aber ich vermisse meine Familie“, sagt er und in seinen grünen Augen spiegelt sich das Erlebte wider. Doch Wessam lässt sich nicht hängen. Er ist motiviert und möchte in Deutschland etwas erreichen. Ein halbes Jahr lebte er in einem Flüchtlingsheim in Nürnberg. Als er seine Aufenthaltsgenehmigung bekam, zog er weiter nach Gelsenkirchen, denn hier lebt unter anderem sein Onkel, bei dem er erst einmal untergekommen ist. In Gelsenkirchen besuchte er einen sechsmonatigen Sprachkurs und fand Anschluss bei der Jugendorganisation „Die Falken“. Da er schnell Deutsch lernte, fing er an, den Nachbarskindern, die ebenfalls mit ihrer Familie aus Syrien geflüchtet sind, Nachhilfe zu geben. „Ich möchte anderen helfen“, erklärt der heute 20-Jährige.

Eine Bekannte, die er von den Falken kennt, wurde auf sein ehrenamtliches Engagement aufmerksam und wollte mehr über Wessam erfahren. Als sie hörte, dass er sein Abitur in Syrien sehr erfolgreich bestanden hat, vermittelte sie ihn an Patul Orfali, Mitarbeiterin des NRW-Zentrums für Talentförderung und zuständig für neue Förderkonzepte für Neuankömmlinge. „Ich war sofort begeistert von Wessam. Sein ehrenamtliches Engagement finde ich beeindruckend. Er sollte in eine Ausbildung zum Busfahrer vermittelt werden, was überhaupt nicht seinen Fähigkeiten und Wünschen entspricht. Ich wollte ihn dabei unterstützen, seinen Traum zu verwirklichen“, berichtet sie. Wessam ist aufgrund der sprachlichen Barrieren unsicher, ob er jetzt schon ein Studium in Deutschland meistern kann. „Der Ausbilder des Fraunhofer Instituts in Dortmund, Jürgen Paech, kam auf das NRW-Zentrum für Talentförderung zu und erklärte, dass das Institut für dieses Jahr noch einen Auszubildenden für den Beruf des Industriemechanikers suche. Da habe ich direkt an Wessam gedacht. Denn die Ausbildung passt zu seinem Wunschberuf des Maschinenbauers. Im Anschluss könnte er dann noch ein Studium dranhängen“, so Patul Orfali.

"Ich habe meine Familie in Syrien angerufen und sie sind sehr stolz."

Und ihr Gespür war richtig. Gemeinsam gingen sie zu der renommierten Ausbildungsstätte, um sich einen Einblick zu verschaffen. Dann die große Überraschung: Der Personaler forderte direkt Wessams Unterlagen an. Der 20-Jährige konnte es kaum fassen. Er durfte sich entscheiden, ob er die Ausbildung bei Fraunhofer machen möchte oder nicht. Am 1. August 2016 ist er in dem Betrieb gestartet. „Unsere Suche für den Ausbildungsplatz als Industriemechaniker war in diesem Jahr erfolglos. Das dachten wir zumindest, bis wir Herrn Wessam Doukeh kennenlernten. Er hinterließ als interessierte, engagierte und offene Persönlichkeit einen guten Eindruck. Besonders imponierte uns seine freiwillige Tätigkeit. Wir freuen uns so auch, einen kleinen Beitrag zur Integration von Geflüchteten leisten zu können“, erklärt Personalerin Claudia Bernstiel. Ausbilder Jürgen Paech stimmt ihr zu.

„Als wir beim Fraunhofer Institut ankamen, hat Wessam mich noch gefragt, woran es wohl scheitern wird. Er hat nicht mal daran gedacht, dass es auch klappen kann. Ich habe ihn motiviert und ihm gesagt, er sei eine tolle Persönlichkeit und überaus engagiert, er solle ganz er selbst bleiben und dann würde er schon einen guten Eindruck hinterlassen“, Patul Orfali, die sich sehr für Wessam freut.

Nach der dreijährigen Ausbildung möchte Wessam ein Studium anschließen und irgendwann international als Ingenieur arbeiten. Wovor er am meisten Sorge hat? „Dass ich in der Schule nicht mitkomme, aber gleichzeitig freue ich mich auch auf den Unterricht. Ich hoffe, dass ich neue Freunde kennenlerne und mein Deutsch besser wird“, meint der Azubi. Auch seine Familie freut sich über den Erfolg. „Ich habe meine Familie in Syrien angerufen und sie sind sehr stolz. Endlich kann ich anfangen zu arbeiten. Das mache ich für mich, aber auch für meine Familie, und hoffe, damit auch anderen Geflüchteten Mut machen zu können.“